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Frühjahrszeit ist Galaxienzeit...

Jetzt im Frühjahr ist Galaxienzeit, denn die Milchstraße versteckt sich noch eine Zeit lang unter bzw. am Horizont. Deshalb verstellt sie uns nicht den Blick in die Weite des Raumes zu weit entfernten, großen Sternsystemen außerhalb der Milchstraße. Ein paar besonders schöne Exemplare haben unsere Astrofreunde Willi Radel, Thorsten Brands, Günther Dick und André Müller aufgenommen und die möchten wir euch nicht vorenthalten...

Galaxien Suchbild

Dieses Galaxien Suchbild zeigt einen Himmelausschnitt, der vom Coma-Sternhaufen (oben rechts) bis zum Stern Vindemiatrix (unten links) im Sternbild Jungfrau reicht. Der Coma-Sternhaufen ist eine Ansammlung von etwa 40 Sternen in ca. 300 Lichtjahren Entfernung. Seinen Namen hat er vom Sternbild "Haar der Berenike" (lateinisch Coma Berenices), in dem er zu finden ist. Der gelb leuchtende Stern Vindemiatrix ist etwa 100 Lichtjahre entfernt. Die "Zacken" die von ihm ausgehen, sind durch die Optik der Kamera entstanden. Tatsächlich ist Vindemiatrix ein runder Riesenstern, etwa 15mal größer als unsere Sonne.

Links neben dem Coma-Sternhaufen, fast am oberen Bildrand, konnte ich bereits die Spiralgalaxie NGC 4565 erkennen. Wir sehen genau von der Seite (englisch edge-on) auf die etwa 40 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie, deshalb erscheint sie als dünne Spindel. Außerdem konnte ich "Markarians Chain" entdecken, eine Kette aus aneinander gereihten Galaxien, sowie viele weitere Galaxien.

Hineinzoomen lohnt sich also – wer findet noch weitere Galaxien? Da die Aufnahme mit einem 50 mmm Objektiv gemacht wurde, ist der Himmelsausschnitt ziemlich groß, die Galaxien erscheinen ziemlich klein. Galaxien erkennt man daran, dass sie - anders als die Sterne - auf dem Foto nicht punktförmig sind. Hier der Link zur großen Version des Bildes.

Aufgenommen hat es André Müller von der Aachener Sternwarte.

Markarjansche Kette im Virgo-Galaxienhaufen

Die Markarjansche Kette (englisch Markarian´s Chain) ist eine markante Anordnung von Galaxien innerhalb des Virgo-Galaxienhaufens. Die Struktur wurde nach dem Astrophysiker Benjamin Markarjan benannt, der sie in den 1970er Jahren erforschte. Die Galaxien sind etwa 60 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Der Virgo-Galaxienhaufen zwischen den Sternbilder Jungfrau und Löwe läßt sich im Frühjahr gut beobachten. Seinen Namen hat er vom Sternbild Jungfrau (lateinisch Virgo). Es handelt sich um eine Ansammlung von hunderten Galaxien, deren größte Mitglieder bereits ab 1771 von dem französischen Astronomen Charles Messier mit einem relativ kleinen Teleskop entdeckt wurden und die er in seinem Katalog unter M84, 86, 87, 88, 89, 90, 91 aufgenommen hat.

Der Bildausschnitt stellt nur einen kleinen Teil des Virgo-Glaxienhaufens dar, aber immerhin sind hier noch viele weitere Galaxien im Bild. Man kann sie an den kleinen nebligen Strukturen erkennen. Wer findet die meisten? 

Die Aufnahme entstand mit einer Schwarz-Weiß-CCD-Kamera. Verarbeitet sind insgesamt 100 Einzelaufnahmen mit je 60 Sekunden Belichtungszeit. 40 Einzelaufnahmen wurden ohne Farbfilter gemacht und für die Helligkeit (Luminanz) verwendet. Für jeweils 20 Einzelaufnahmen wurde ein Rot-, Grün- bzw. Blaufilter vor dem Kamerachip angebracht. Diese Aufnahmen liefern die Farbinformation.

Aufnahmedaten: L 40x 60s , RGB je 20x 60s, Darks, Flats
Kamera: CCD SX 814 mono, Filter: Astrodon LRGB
Teleskop: PENTAX 500mm /f6.8
Montierung: Celestron CGEM, Guiding: PHD2
Bildbearbeitung: Fitswork, LR4, PS3
Standort: Aachen, Dachsternwarte bei 6°C

©Willi Radel

Feuerradgalaxie M 101

Messier 101 (M 101), ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Großer Bär - ein Teil des Großen Bären ist besser bekannt als der "Große Wagen". Wir schauen direkt senkrecht auf die Galaxie, weshalb die Spiralarme so markant, wie bei einem Feuerrad zu sehen sind. Mit einem Durchmesser von ca. 170.000 Lichtjahren ist sie fast doppelt so groß, wie unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße. Durch ihre große Entfernung von etwa 20 Millionen Lichtjahren besitzt sie jedoch eine geringe Flächenhelligkeit, weshalb M 101 ein relativ schwierig zu beobachtendes Objekt ist. 

Das Galaxienzentrum scheint kein Schwarzes Loch zu besitzen, wie häufig bei anderen Galaxien. Dafür besitzt sie sowohl Anhäufungen von alten Sternen, aber auch eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Wasserstoffgebieten (rötlich dargestellt), in denen sich neue Sterne bilden. Im letzten Jahrhundert wurden einige Supernovae beobachtet, bei denen Sterne mit einem überhellen Lichtblitz explodieren. Die letzte Supernova wurde im Jahr 2011 beobachtet, als mit einer gewaltigen Explosion ein weißer Zwergstern verging.

Im Bild sind noch weitere Galaxien erkennbar. Eine hellere, unten rechts im Bild, trägt den Namen NGC 5477 und ist etwa 20 Millionen Lichtjahre entfernt. Andere Galaxien sind viel weiter entfernt und nur als feine, nebelartige Strukturen auszumachen. 


Aufnahmedaten:
Teleskop: PENTAX 75 SDHF 500mm, f6.7
Kamera: Starlight Xpress TRIUS SX-814 SW CCD-Astrokamera
Filter für Wasserstoff (Ha): 5nm, Astrodon
Montierung: Celestron CGEM
Standort: Dachsternwarte Nordeifel
Belichtungszeit:
20 Bilder x 1200s  für Wasserstoff (Ha)
35 Bilder x 120s  Luminanz (L)
je 20 Bilder x 120s  für Farben (RGB)   

9.8 Stunden Gesamtaufnahmezeit in mehreren Nächten

© Willi Radel

M 81 (Bodes Galaxie) und M 82 (Zigarrengalaxie)

Beide Galaxien stehen im Frühjahr hoch im Zenit in der Nähe des "Großen Wagens". Ihrer Flächenausdehnung am irdischen Himmel ist fast so groß wie der Mond. Wegen der kurzen Entfernung von nur 12 Lichtjahren zur Erde ;-) ist die Helligkeit so groß, daß die Galaxien schon mit einem Fernglas sichtbar sind. Beide Galaxien stehen „nahe“ nebeneinander und deshalb in gravitativer Wechselwirkung, d.h., sie beieinflussen sich gegenseitig mit ihrer Schwerkraft. Entdeckt wurden die Galaxien bereits 1774 durch den deutschen Astronomen Johann Elert Bode (1747 - 1826).
Die Bezeichnungen M 81 und M 82 gehen auf den französichen Astronomen Charles Messier (1730 – 1817) zurück, der 110 Galaxien, Sternhaufen und Nebel in seinem Katalog gelistet hat.

Als M 82 (links oben im Bild) vor 500 Millionen Jahren an M 81 vorbeizog, wurde ihre Struktur dramatisch verändert. Es kam zu einem "Starburst", d.h., es entstanden viele neue Sterne. Massereiche Sterne ionisieren mit ihrer starken Strahung den umgebenden Wasserstoff und regen ihn zum Leuchten an. Diese rot leuchtenden Regionen sind auf dem Foto erkennbar. Eine Besonderheit der "Zigarrengalaxie" ist, dass die leuchtenden Wasserstoff-Gaswolken senkrecht zur Galaxienebene stehen. 


Aufnahmedaten:
Teleskop: PENTAX 75 SDHF 500mm, f6.7
Kamera: Starlight Xpress TRIUS SX-814 SW CCD-Astrokamera
Filter für Wasserstoff (Ha): 5nm, Astrodon
Montierung: Celestron CGEM
Standort: Dachsternwarte Nordeifel
Belichtungszeit:
22 Bilder x 900s  für Wasserstoff (Ha)
30 Bilder x 120s  Luminanz (L)
20 Bilder x 120s  für Farben (RGB)

© Willi Radel

M 51 Strudel- oder Whirlpoolgalaxie

Die Whirlpool Galxie ist unter Astrofotografen ein beliebtes Objekt, weil es mit etwa 27 Lichtjahren recht nahe und damit einigermaßen lichtstark ist. Am Himmel ist sie auffindbar neben dem vorderen Stern der Deichsel des "Großen Wagens". 
Die Whirlpool Galaxie ist eine der wenige Galaxien die "von oben" sichtbar ist und dadurch ihre rotierenden Spiralarme zeigen. Hier gibt es aber eine Besonderheit. Neben der Hauptgalaxie M 51 gibt esrechts die Begleitgalaxie NGC 5195, die räumlich etwas nach hinten versetzt ist. Beide Galaxien sind mit einem "Materieschlauch" verbunden. 
Das Alter der beiden Galaxien ist unterschiedlich, was durch die Sternfarben belegt wird. Während die Begleitgalaxie nur alte Sterne aufweist, die gelb und rötlich leuchten, enthält Hauptgalaxie viele junge massereiche Sterne, die bläulich leuchten. 
Am 31. Aug 2011 entdeckten französische Astronomen sogar eine Supernova in dem Materieschlauch. Ein Stern war am Ende seiner Lebenszeit explodiert und für kurze Zeit ganz besonders hell. Das Weltall ist immer im Wandel und bietet immer besondere Überraschungen.

Aufnahmedaten:
Aufnahmeteleskop: self-made Newton 8" F6 
Aufnahmekamera: ATIK 383L+ Mono
Montierung: Losmandy G11
Guiding: TS Off Axis Guider 9 mm 
Nachführkamera: Atik 16IC
Software: Fitswork 4
Filter: Baader G 1"25, Baader B 1"25, Baader R 1"25
Zubehör: Baader Planetarium MPCC Mark III
Frames:
Baader B 1"25: 3x600" -20C bin 1x1
Baader G 1"25: 3x600" -20C bin 1x1
Baader L 1.25'' Filter: 3x600" -20C bin 1x1
Baader R 1"25: 3x600" -20C bin 1x1

© Thorsten Brands

NGC 4565

Eine wunderschöne Galaxie, die wir von der Seite sehen, ist NGC 4565. Sie ist ca. 55 Millionen entfernt und befindet sich im Sternbild "Haar der Berenike". Das Foto zeigt ein dunkles Staubband, das auch beim Blick durch ein Teleskop sichtbar wird.

 

Aufnahmedaten:
Aufnahmeteleskop: Spiegelteleskop vom Typ Newton mit 20 cm Öffnung und 1 m Brennweite
Aufnahmekamera: Spiegelreflexkamera Canon 6D A
Zubehör: GPU Komakorrektor
Montierung: HEQ5
Guiding: MGen 2 mit 8 x 50 Sucher
Software: Deepsky Stacker und Photoshop

Frames:
39 Lights je 120 Sek. gedithert bei ISO 1600
12 Flats
30 Bias

© Günther Dick

Der Mond nimmt wieder zu...

Nachdem am 23. April Neumond war, betrat der Mond wieder die "Himmelsbühne". Der Mond ist auch in der Sternwarte immer ein lohnendes Objekt, da der alte Zeiss-Refraktor bei 3 Metern Brennweite sehr viele Details zeigt, wenn unsere Athmosphäre nicht zu unruhig ist.

Auf dem Foto hat André Müller die zunehmende Sichel festgehalten. DIe Aufnahme erfolgte an einem Spiegelteleskop vom Typ Maksutov mit 10 cm Öffung und 1350 mm Brennweite.  Verwendet wurde eine Videokamera ZWO ASI 120. Das Foto ist ein Mosaik aus mehreren Einzelaufnahmen. Sehr schön ist oberhalb der Mitte das große lavagefüllte Becken des Mare Crisium (Meer der Gefahren) zu sehen und direkt darüber die Wälle des Krater Cleomedes.

Mond im Teleskope

Der Mond im Teleskop der Sternwarte Aachen ist hier in diesem Video zu sehen. Teilweise erkennt man ein paar dünne durchziehende Wolken sowie ganz deutlich die Luftunruhe, das sogenannte Seeing.

Das Video ist eine Aufnahme am Zeiss Refraktor der Sternwarte Aachen bei 3000 mm Brennweite.