Rückblick Jahr der Astronomie an der Sternwarte

1609 erforschte Galileo Galilei mit einem selbst gebauten Teleskop als einer der ersten Menschen systematisch den Himmel. Er entdeckte Krater und Gebirge auf dem Mond, die vier großen Monde des Planeten Jupiter und die Phasen des Planeten Venus.

Die Himmelsbeobachtung mit dem Teleskop stellte einen gewaltigen Fortschritt dar und revolutionierte unser Weltbild. Aufgrund der Bedeutung wurde - vierhundert Jahre später - 2009 zum internationalen Jahr der Astronomie erklärt.

Das Jahr der Astronomie war für die Aachener Sternwarte ein Rekordjahr. 5220 Besucher kamen zu uns und nahmen an den öffentlichen Führungen, Gruppenführungen und anderen Veranstaltungen teil. So viele Besucher hatte es seit den Anfangsjahren der Sternwarte vor über 70 Jahren nicht mehr gegeben.

Anlässlich des Astronomiejahrs bot die Sternwarte – neben den Himmelsvorführungen – eine Reihe von besonderen Veranstaltungen an, die hier kurz vorgestellt werden:

Tag der Offenen Türe

Den Auftakt bildete ein Tag der offenen Tür am 17. Januar.

Von nachmittags bis spät abends strömten an die 500 Besucher in die Sternwarte. Auf dem Programm standen Vorträge und Himmelsbeobachtungen.

Die Auftaktveranstaltung

Ausstellung Sternsinger

Am 3. März konnte eine Ausstellung der Aachener Sternsinger bewundert werden. Die Sternsinger hatten sich zum Jahr der Astronomie etwas besonderes ausgedacht:

Kinder in aller Welt sollten einmal im Bild festhalten, wie sie sich den Himmel vorstellten und ihr Bild nach Aachen schicken. Die Resonanz war überwältigend – über 1.000 Bilder, u.a. aus Afrika, Asien und Südamerika, trafen in Aachen ein. Die schönsten Bilder wurden von einer Jury ausgesucht und in der Sternwarte ausgestellt.

Die Sternsinger stellen aus

Tag der Astronomie

Einen Tag später, am 4. März, fand der Tag der Astronomie statt. An diesem Tag öffneten Sternwarten, Planetarien und astronomische Vereine in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Türen, um einem breiten Publikum die Astronomie nahe zu bringen. Die Aachener Sternwarte beteiligte sich mit einem Programm, das von nachmittags bis spätabends einiges bot und sich an alle Altersklassen richtete: Basteln für Kinder, Vorträge, eine Meteoritenausstellung und Himmelsbeobachtungen.

Tag der Astronomie

Vermessung der Erde

Am 24. April wurde ein Experiment wiederholt, das vor mehr als 2.200 Jahren durchgeführt wurde – die Vermessung der Erde.

Der griechische Gelehrte Erastosthenes von Kyrene hatte bereits um 225 v. Chr. den Umfang der Erde ziemlich genau bestimmt. Dazu hatte er in Alexandria und Syrene (Assuan) Stäbe aufstellen und deren Schatten am gleichen Tag zur Mittagszeit messen lassen. Aus der unterschiedlichen Länge der Schatten und der (einigermaßen) bekannten Entfernung der beiden Messorte voneinander berechnete er den Umfang der Erde zu 252.000 Stadien. Das sind ca. 40.000 km und entspricht ziemlich genau den heutigen Messungen.

Prof. Udo Backhaus von der Universität Duisburg-Essen wollte den Versuch wiederholen und rief ein weltumspannendes Experiment ins Leben, an dem sich Schulen und Universitäten, u.a. in Indien, im Iran, Rumänien, und Argentinien beteiligten. In Deutschland führten das Ratsgymnasium in Minden und die Aachener Sternwarte die Messungen durch. Der Umfang der Erde konnte immerhin zu 95 % genau bestimmt werden.

Der WDR berichtete in seinem Wissenschaftssender Leonardo live über die Messungen und die Versuchsauswertung.

Vermesung der Erde mittels Schattenstab

Sommerfest

Am 29. August lud die Sternwarte zum Sommerfest ein. Auch diesmal fanden an die 300 Besucher den Weg zu uns. Dank des schönen Wetters konnte bis spät in die Nacht hinein beobachtet werden.

Sommerfest

Vortragsreihe

Während des ganzen Jahres wurde in Kooperation mit der RWTH Aachen und der Volkshochschule Aachen eine Vortragsreihe durchgeführt, bei der verschiedene Bereiche der Astronomie – von der Astrophysik bis zur Geschichte der Astronomie - vorgestellt wurden:

- Vom Urknall bis zur dunklen Energie (Jan Hattenbach)

- Meteoriten - Steine die vom Himmel fallen (Kurt Schaefer)

- Sternstunden der neuzeitlichen Astronomie (Walter Oberschelp)

- Weltbilder im Wandel (Jan Hattenbach)

- Hochenergetische Strahlung aus dem Universum (Thomas Hebbeker)

- Dunkle Materie und Dunkle Energie (Jan Hattenbach)

- Gezeiten – wie entstehen sie wirklich (Darius Mottaghy)

- Himmelsdarstellungen im Mittelalter (Walter Oberschelp)

- Das Sonnensystem – unsere kosmische Heimat (Kurt Schaefer)

- Huygens, Cassini und der Saturnring (Walter Oberschelp)

Das Veranstaltungsprogramm der VHS

AT Hückelhoven

Auch außerhalb der Sternwarte waren wir während des Astronomiejahres aktiv: Auf der 9. Astrononiemesse ATH in Hückelhoven präsentierten wir uns – wie jedes Jahr – mit einem Stand und informierten interessierte Besucher über die Aktivitäten der Sternwarte.

Die Sternwarte auf dem ATH

Exkursion Effelsberg

Im Juni gab es eine hochinteressante Exkursion in die Eifel. Nahe Effelsberg bei Bad Münstereifel erforscht das größte frei bewegliche Radioteleskop der Welt den Himmel. Die Parabolantenne hat einen Durchmesser von 100 m, die gesamte Konstruktion ein Gewicht von 3200 Tonnen. Neben einem Vortrag zur Radioastronomie hatten wir Gelegenheit, dem Teleskop „bei der Arbeit“ zuzusehen. Die Exkursion war von den Eifelastromen e.V. organisiert worden.

Das Radioteleskop in Effelsberg

Beobachtungstag Vogelsang

Im September hatten die Monschauer Sternfreunde einen Beobachtungstag auf dem Gelände der ehemaligen Ordensburg Vogelsang im Naturpark Eifel organisiert. Bei hervorragendem Wetter konnten ausgiebig die Sonne und später der Mond und der Planet Jupiter beobachtet werden.

An der Veranstaltung nahmen Mitglieder des Aachener Astronomie-Arbeitskreises teil.

"Ordensburg" Vogelsang

Gasometer Oberhausen

Im Rahmen des Programms Schule macht Kultur des Landes NRW wurde ein Astronomieprojekt mit der Aachener Johannes-Kepler-Schule gestartet.

Im Oktober fuhr die ganze Schule zum Gasometer nach Oberhausen, wo noch bis Ende 2010 die spannende Ausstellung „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“ gezeigt wird.

Unter Anleitung eines Sternwartenmitarbeiters konnten die Schüler Modelle der Sonne und der Planeten sowie einzigartige Fotografien des Himmels bestaunen.

Absolutes Highlight war ein Gang auf der Galerie um den größten Mondglobus der Welt.

Modell der Sonne im Gasometer

Szenische Lesung "Cassini"

Ein ganz besonderes Ereignis war die Aufführung der szenischen Lesung Cassini und der Ring.

Betrachtet man den Planeten Saturn mit einem Teleskop, so stellt man eine dunkle Lücke in den Saturnringen fest, die man als Cassinische Teilung bezeichnet.

Prof. Dr. Walter Oberschelp, Mitglied des Arbeitskreises an der Aachener Sternwarte, hat jedoch recherchiert, dass nicht der Italiener Cassini als erster die Teilung des Saturnringes entdeckt hat, sondern sein Teleskopbauer und Landsmann Campani. Prof. Oberschelp hat hierüber ein lehrreiches und zugleich humorvolles Theaterstück geschrieben, das zur Zeit Ludwig XIV. spielt. Das Stück wurde als szenische Lesung im Rahmen der RWTH-Wissenschaftsnacht am 13. November vorgetragen. Unter den Mitwirkenden waren Mitarbeiter der Sternwarte.

Cassini und der Ring


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