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Verlauf der ringförmigen Sonnenfinsternis vom 10.06.2021 (Quelle: Wikipedia)

Am 10.06.2021 ereignete sich eine ringförmige Sonnenfinsternis, die allerdings nur von Kanada, Grönland oder Nordasien aus vollständig zu sehen war. Von Mitteleuropa aus war sie als partielle, d.h. teilweise Finsternis zu beobachten.

An der Sternwarte Aachen konnte die Finsternis unter besten Bedingungen beobachtet werden.

Die Fotos in diesem Bericht können durch Anklicken vergrößert werden.

 

Ringförmige Finsternis vom 20.05.2012 (Quelle: Wikipedia)

Bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis wird, anders als bei einer totalen Sonnenfinsternis, die Sonne nicht vollständig vom Mond bedeckt. Es bleibt ein ganz dünner heller Ring sichtbar.

Der Grund ist, dass der Mond zu diesem Zeitpunkt relativ weit von der Erde entfernt  ist (die Mondbahn ist etwas elliptisch) und deshalb etwas kleiner erscheint, als bei einer totalen Finsternis.

Die Sonnenfinsternis vom 20.03.2015 an der Sternwarte Aachen

Anders als bei der letzten von Deutschland aus sichtbaren Sonennfinsternis, bei der in Aachen dicke Wolken die Sicht versperrten...

Das 3 m-Teleskop der Aachener Sternwarte

...begann der 10. Juni mit strahlend blauem Himmel. Allerdings konnten aufgrund der immer noch herrschenden Coronapandemie keine Besucher auf das Gelände der Sternwarte.

Immerhin hatte sich ganz kurzfristig ein Team des WDR eingefunden...

... und drehte einen Bericht für die aktuelle Stunde,...

... der noch am selben Abend gezeigt wurde.

Das Team der Sternwarte

Kurz vor der Finsternis wurden die Teleskope der Sternwarte auf die Sonne ausgerichtet.

Mittels Livestream sollte die Finsternis in Youtube übertragen werden.

Zu einer Aufzeichnung des Livestreams geht es hier.

Nach ein paar Schwierigkeiten mit der Technik klappte schließlich der Livestream...

... und die ersten Bilder der Finsternis erschienen bei Youtube.

Das H-alpha-Teleskop, Typ "Nearstar" (im Holzkasten). Darunter zu sehen ist ein Modell der Erde, das durch ein kleines Mondmodell "verfinstert" wurde.

Das Bild der Sonne wurde mit einer Kamera aufgenommen, die an einem speziellen Teleskop angebracht war. Dieses Teleskop lässt nur einen ganz kleinen Teil der Sonnenstrahlung, nämlich im langwelligen Bereich des angeregten Wasserstoffes ( H-alpha), hindurch.

 

Die Sonne im H-alpha-Teleskop. Der Mond hatte sich zum Zeitpunkt der Aufnahme schon ein ganzes Stück vor die Sonne geschoben. (Dirk Beba, Hans-Peter Bartz-Kracht)

Schaut man durch das H-alpha-Teleskop, ist eine tiefrote Sonne zu sehen, in deren oberer Atmosphäre Strukturen erkennbar sind. Für die Aufnahmen an der Sternwarte und die Übertragung wurde eine hoch auflösende Schwarz-Weiß-Kamera verwendet.

Sonne und Mond aufgenommen mit dem Carl-Zeiss-Refraktor der Sternwarte (Kurt Schaefer)

Diese Aufnahme entstand mit dem großen Carl-Zeiss-Teleskop der Sternwarte bei einer Brennweite von 3000 mm. Dazu wurde eine Spiegelreflexkamera am Teleskop befestigt. Zur Dämpfung des Lichtes wurde ein "Herschel-Prisma" zwischen Teleskop und Kamera gesteckt. Dieses Prisma leitet den größten Teil des Lichts und der Wärmestrahlung aus dem Strahlengang heraus. Anders als beim H-alpha-Teleskop wird nicht ein enger Spektralbereich des Lichts durchgelassen, sondern das gesamte Spektrum wird gedämpft. Dadurch erscheint die Sonne weißlich. Die Orientierung der Bilder (der Mond ist auf den Fotos mal oben und mal unten zu sehen) ergibt sich aus der Anordnung von Teleskop bzw. Teleobjektiv  und Kamera. Beim klassischen Teleskop erscheint das Bild seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend, während ein Teleobjektiv das Bild "richtig"  darstellt. Auf diesem Foto wurden Sonne und Mond in eine Position gedreht, wie sie ohne Teleskop erschienen. Der Mond wanderte am nördlichen Rand (oben) an der Sonne vorbei.

 

Günther Bendt (im Vordergrund) ist um die ganze Welt gereist, um Sonnenfinsternisse zu sehen

Günther Bendt, langjähriger Mitarbeiter der Sternwarte, berichtete über seine Erlebnisse, die er bei insgesamt 13 Sonnenfinsternissen gesammelt hat. Seine Reisen zu totalen Sonnenfinsternissen führten ihn u.a. in die USA, nach China und Australien. Das Interview, einen Vortrag über Sonnenfinsternisse und eine Simulation kann man sich hier auf dem Youtube-Video ansehen.

Jessica Koch erkärt die Sonnenfinsternis

Jessica Koch von der Aachener Sternwarte hat außerdem zwei Videos zur Sonnenfinsternis gedreht, bei denen es um die Entstehung von Sonnenfinsternissen und die verschiedenen Typen von Sonnenfinsternissen geht. Zu den Videos geht es hier und hier.

Der Verlauf der Finsternis (Thorsten Brands)

Die partielle Finsternis begann in Aachen um 11:21 Uhr. Das Maximum, bei dem 14 % der Sonne bedeckt waren, wurde um 12:22 Uhr erreicht. Um 13:27 Uhr war die Finsternis beendet.

Sternfreunde, die an dem Tag nicht in der Sternwarte sein konnten, haben uns ihre Aufnahmen zur Veröffentlichung zugeschickt.

Auf dieser Kollage wurden die Phasen der Finsternis zusammengestellt.

 

Animation der Finsternis - Bild anklicken (Thorsten Brands)

Die gesamte Finsternis kann in dieser Animation gut verfolgt werden. Alle 15 Sekunden wurde eine Aufnahme gemacht. Verwendet wurde eine Spiegelreflexkamera an einem Spiegelteleskop mit 200 mm Öffnung und 1200 mm Brennweite. Das Teleskop war mittels Filterfolie geschützt.

Die Differenzen der Finsternis (André Müller)

In dieser Fotomontage wurde der Mond als feststehendes Objekt genommen und die Sonne "wandert" durch das Bild.

Die Finsternis durch eine "SoFi-Brille" fotografiert (St. Ursula-Gymnasium)

Der Physikkurs des St.Ursula-Gymnasiums beobachtete die Finsternis von der Schule aus. Für dieses Foto wurde die Sonne mit einer Handykamera durch eine Sonnenfinsternisbrille fotografiert.

Die Sonne im Weißlicht (Michael Noyong)

Diese Aufnahme entstand mit einer Spiegelreflexkamera an einem Linsenteleskop (Triplet-ED-Apochromat) mit 80 mm Öffnung und 480 mm Brennweite. Vor das Linsensystem wurde eine spezielle fotografische Folie angebracht, die etwa nur den hunderttausendsten Teil des Sonnenlichts hindurch lässt.

Sonne im Weißlicht (Birgitta Grüntzig)

Für diese Aufnahme wurde eine Spiegelreflexkamera und ein 200 mm Teleobjektiv verwendet. Vor dem Objektiv war ein selbst gebastelter Sonnenfilter aus fotografischer Folie angebracht.

Sonne im "Rotlicht", H-alpha (Frank Schaefer)

Für diese Aufnahme wurde eine Handykamera an das Okular eines H-alpha-Teleskops gehalten. Die Sonne erscheint tiefrot im Licht des angeregten Wasserstoffes.

Sonne mit Protuberanz (Frank Schaefer)

Auf dieser länger belichteten Aufnahme durch das H-alpha-Teleskop wird am linken Sonnenrand eine Protuberanz erkennbar. Protuberanzen sind riesige Gebilde aus Wasserstoffgas, die über der sichtbaren Sonnenoberfläche aufsteigen.

Sonne im H-alpha-Licht mit dem "gezackten" Mondrand (Karl-Heinz van Heek)

Für diese Aufnahme wurde ein sehr leistungsstarkes H-alpha-Teleskop verwendet. Die hoch aufgelöste Aufnahme zeigt sehr deutliche Strukturen auf der Sonne. Gut erkennbar ist auch, dass die Mondoberfläche keine glatte Kugel ist. Am Rand des Mondes zeigen sich Erhebungen.

Die Projektionsmethode (Frank Schaefer)

Die Beobachtung einer Sonnenfinsternis ist auch ohne spezielle H-alpha-Teleskope oder Filter möglich. Bei der Projektionsmethode wird ein Teleskop oder Fernglas ohne Filter auf die Sonne ausgerichtet. Hinter das Okular wird ein weißes Blatt Papier gehalten. Das Sonnenlicht wird so auf das Papier projiziert. Dabei ist Vorsicht geboten! Keinesfalls darf man direkt mit dem Fernglas oder Teleskop in die Sonne blicken. Irreparable Schäden der Augen, bis hin zur Erblindung können die Folge sein.

Der "Lochkamera-Effekt" unter einem Baum (André Müller)

Aber auch ohne alle optischen Hilfsmittel ist die Beobachtung einer Sonnenfinsternis möglich. Es tritt nämlich ein sehr interessantes Phänomen auf:  Die Lücken zwischen den Blättern von Bäumen wirken jeweils wie eine Lochkamera, so dass viele Abbildungen der Finsternis sichtbar werden. Auf dem Foto ist jeder Lichtkreis etwas "angeknabbert" und zeigt eine Projektion der Finsternis.